Kommentar in der Einladung vom Theater im Pumpenhaus

Zitiert aus dem Newsletter des Theater im Pumpenhaus vom 03.06.13:
Liebes Publikum,
vor kurzem hielt Heiner Goebbels – Komponist, Regisseur und derzeit künstlerischer Leiter der Ruhrtriennale – in der Stuttgarter Staatsgalerie eine Rede (nachzulesen HIER), in der er die Zukunft der hiesigen Kulturlandschaft einmal mehr vor dem Hintergrund eines notwendigen Wandels der sie umgebenden Institutionen diskutierte. Und man kann sich nur wünschen, dass das, was Goebbels als ein Theatermacher, der in den vergangenen zwei Jahrzehnten wie kaum ein zweiter deutscher Künstler gängige Vorstellungen von ästhetischer Praxis in den darstellenden Künsten hinterfragt und erneuert hat, anmahnt, den notwendigen Paradigmenwandel im hiesigen Verständnis von Kulturproduktion weiter befeuert. Ohne sich freilich in das zu kurz gegriffene Bedrohungsszenario eines umfassenden Verlusts jahrhundertealter Errungenschaften des deutschen Theaterrepertoirebetriebs zu flüchten. Vom Abreißen hat niemand gesprochen. Aber die Frage lautet zu Recht: warum ist es so schwierig, den bestehenden Strukturen, deren institutionelle Gußform den in ihnen erzeugten ästhetischen Ergebnissen stets immanente Bedingungen diktiert, eine Landschaft von Produktionshäusern gegenüber zu stellen, in denen der Begriff des Freien nicht automatisch mit einem Verlust an strukturellen Möglichkeiten verbunden ist? Eine schützenswerte Errungenschaft zu bewahren muss nicht heißen, den Dialog mit dem Neuen als Frontstellung zu begreifen. In dieser Hinsicht tut sich das politische Streben hierzulande unverändert schwer.
Wir kommen an dieser Stelle darauf zu sprechen, weil es nicht zuletzt in Münster in diesen Tagen einmal mehr darum geht, die Weichen für die zukünftige Gestaltung des städtischen Kulturlebens neu zu justieren. Wir teilen daher sehr gerne die Einladung der SPD-Ratsfraktion zu einem Bürgeraustausch am kommenden Donnerstag, bei dem Gelegenheit bestehen wird, sich über die geplante neue Finanzformel für das städtische Theater auszutauschen – und die darin implizierte Bedeutung für die freie Münsteraner Theaterszene. Das Gespräch findet von 18 – 20 Uhr in der Geschäftstelle der SPD-Fraktion (Bahnhofsstraße 9) statt. Mehr Infos dazu HIER.